Michael Vonbank war originell, kreativ und unbequem. Extreme Wucht, expressionistische Kraft und außergewöhnliche koloristische Stärke sind Markenzeichen seiner Ästhetik. Inhaltlich wird sein mächtiges Werk fast durchgehend von Grotesken bevölkert: Verfremdete, bizarre Wesen mit komischen Zügen zeigen Verdrängtes der Gesellschaft auf. Michael Vonbank legt Finger in offene Wunden. So verweist die Arbeit „Welcome to war and feel yourself like at home“ (dt. „Willkommen im Krieg und fühlen Sie sich wie zu Hause“) auf die permanente Verstrickung jedes/r Einzelnen in globale kriegerische Auseinandersetzungen. Das Bild zeigt eine schlafende Person, die von einem als fliegendes Raubtier getarnten Kampfjet von rechts attackiert wird, während sich links übergroß eine gemarterte Gestalt als Opfer des Krieges aufbäumt. Der Appell ist klar: Es geht darum, aufzuwachen, Stellung zu beziehen und zu kämpfen, oder man wird selbst zum Opfer. Der neutrale Standpunkt inmitten kriegerischer Auseinandersetzungen bleibt eine Illusion. Die Arbeit „Das Recht, nichts sagen zu dürfen“ zeigt ein übergroßes, nach vorne gebeugtes Gesicht mit gewaltsam verschlossenen, zugenähten Lippen. Der Ausdruck hilfloser Sprachlosigkeit wird durch ein waches, übergroßes Auge kompensiert. Das Wesen nimmt alles wahr, erkennt seinen Zustand, nur äußern kann es sich nicht. Es bleibt stumm. Das Wortspiel „Das Recht, nichts sagen zu dürfen“ verweist auf die Menschenrechtsverletzungen in großen Teilen der Welt ebenso wie auf die Manipulierbarkeit der trägen Masse, die ihre Rechte nicht wahrnimmt. Welcome to war - 1992, Ölkreide auf Karton, 70x100cm 30 | 31 DISTRICT4art | InToleranz | 2025
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